Ideen nach Maß

28.09.2015

Dem Druck von Billiganbietern aus dem Ausland will die überwiegend in Oberfranken angesiedelte bayerische Polstermöbelindustrie verstärkt mit Innovationen und hochwertiger Qualität begegnen. Derzeit präsentieren 20 Firmen bei ihren Hausmessen den internationalen Facheinkäufern neue Ideen fürs bequeme Sitzen.

COBURG -  „Maßgeschneiderte Lösungen für individuelle Ansprü­che", verspricht Christian Dahm, Geschäftsführer des Verbandes der Holzwirtschaft und Kunststoffverar­beitung in Bayern. Damit will die klei­ne Branche mit ihren rund 3000 Beschäftigten in den mittelständi­schen Firmen rund um Coburg gegen die wachsende Zahl der Billigimpor­te punkten.
Im ersten Halbjahr 2015 gelang dies mit Blick auf die reinen Zahlen durch­aus: Der Umsatz mit Polstermöbeln erhöhte sich gegenüber dem Vorjahres­zeitraum um 1,9 Prozent auf knapp 260 Millionen Euro. "Die Auftragseingänge waren durchweg positiv", merkt Dahm an. Besonders der Inlandsmarkt habe im ersten Quartal überzeugt. Innovationen wie der nach Firmenangaben erste abziehbare und am Stück in der Maschine waschbare Sofabezug, schicke Ledergarnituren oder ergonomische Funktionsmöbel mit allen denk-und undenkbaren Ver­stellvorrichtungen für Kopf, Füße und Sitzfläche lockten die Kunden. Jetzt gelte es, "Innovationen und Kunden­wünsche abzustimmen, damit wir bis zum Jahresende ein rundum positi­ves Ergebnis erzielen können".

Druck durch Billigimporte wird stärker

Ein Wermutstropfen für den Geschäftsführer ist der Außenhandel. Von Januar bis Juni wurde zwar ein Exportplus von 3,6 Prozent erzielt. Kunden in Frankreich, der Schweiz und Großbritannien kauften mehr Polstermöbel „made in Oberfranken". In Belgien und den Niederlanden verief das Geschäft nach Dahms Worten dagegen schlechter als im Vorjahres­zeitraum. Zudem wuchs der Import­druck weiter, vor allem durch Billigprodukte von Unternehmen, die etwa in Polen produzieren lassen: 6, 7 Pro­zent mehr Polstergarnituren als im Vorjahreszeitraum wurden im 1. Halb­jahr in Deutschland eingeführt. ,,Eine Entwicklung, die alles andere als posi­tiv ist", sagt Dahm.
Sorgen bereitet den oberfränki­schen Unternehmen, die die Hälfte aller in Deutschland hergestellten Polstermöbel produzieren, auch die Nachwuchsgewinnung. Um den Beruf des Polsterers oder Zuschneiders bekannter zu machen, arbeiten die Fir­men seit Jahren mit Schulen zusam­men, bieten Klassenfahrten in Betrie­be und andere Exkursionen an. Und natürlich hofft auch die oberfränki­sche Polstermöbelindustrie auf das große Reservoir der bildungshungri­gen jungen Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen.

Autorin: Gabi Wald-Hauf
Quelle: Nürnberger Zeitung - 28. September 2015

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